Die Biografie
Bjarne Reuter wurde 1950 in Dänemark geboren. Sein erstes Buch schrieb er mit 25 Jahre, um sich, so sagt
er selber, etwas "Abwechslung zum Studium" zu verschaffen.
Heute ist er der wahrscheinlich erfolgreichste dänische Schriftsteller. Über 60 Bücher hat er innerhalb
von 25 Jahren geschrieben. Die meisten davon sind Kinderbücher, nichts anderes läßt die skandinavische
Herkunft des Autors vermuten.
Aber auch für Erwachsene hat der vierfache Vater geschrieben und dabei seine Klasse mehrfach unter Beweis
gestellt: Ob Belletristik oder Kriminalliteratur - Bjarne Reuter beherrscht meiner bescheidenen Meinung
nach sein Metier, weshalb er an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben darf.
Der Schreibstil
Wenn man über Bjarne Reuters Art und Weise zu Schreiben sprechen möchte, so kommt man nicht umhin, seine
Kinderbücher in den Vordergrund zu stellen. Er schreibt erfrischend und lustig, manchmal bedrückend und
ernst, immer der Beobachter des Augenblicks bleibend und es sind kindliche Naivität und Lebensfreude, die
aus seinen Büchern sprechen.
Aber er hat nicht nur für Kinder geschrieben. Von sich selber sagt er, daß er "beim Schreiben der Bücher
nicht an das Alter der Leser denkt". Und dabei sind ihm literarisch hochwertige Bücher gelungen, die ihn
sehr lesenswert machen.
Bjarne Reuter ist ein sehr guter Beobachter, der nicht nur über seine Protagonisten und deren Umwelt,
sondern auch viel über das Gefühlsleben der Menschen schreibt. Ohne zu psychologisieren gelingt es ihm
dabei, die Gedanken und Wünsche der Menschen zu transportieren, statt sie offenzulegen und zu Markte zu
tragen. Und so lesen wir viel zwischen den Zeilen über das Unterbewußte und oftmals auf den ersten Blick
Verborgene in den Menschen.
Die Werke
So einen wie mich kann man nicht von den Bäumen pflücken sagt Buster, 1994
Dieser Titel sei hier stellvertretend für alle Bücher genannt, die von Buster erschienen sind und heute
bei Fischer Schatzinsel verlegt werden. Der Held dieser Bücher ist Buster, ein kleiner Junge aus
Brønshøj, der abseites eines idyllischen Kinderlebens zu den ewigen Verlierern (behinderte Schwester,
eine Mutter, die sich keine Zeit nimmt und ein Vater, der das Haushaltsgeld versäuft und die Kinder und
seine Frau schlägt,...) gehört und doch sein Leben meistert - absolut lesenswert!
Hodder, der Nachtschwärmer, 1999
Für dieses Kinderbuch, daß bei Dressler erschienen ist, bekam Reuter 2000 in Frankfurt den
Jugendliteraturpreis. Es ist die Geschichte von Hodder, einem eher unterdurchschnittlichen Jungen, der
mit seinem Vater allein lebt und dem eines Tages eine Fee erscheint - um ihm mitzuteilen, daß Hodder
jemand besonderes sei. Und das ist er auch, ohne es wahrhaben zu wollen.
Am Ende des Tages, 2000
Ein Krimi aus der besonderen Art: Leon Culman bekommt früh morgens einen Brief, in dem ihm mitgeteilt
wird, daß er an diesem Tage für vergangene Missetaten sterben würde. Und macht sich sofort auf die Suche
nach dem Urheber des Briefes, der auf seiner eigenen Schreibmaschine verfasst wurde. Supergut geschrieben
- fern jedweder Krimimassenproduktion und ermüdender Täterjagd.
Adnoten
Am 10.10.2000 hat Bjarne Reuter im Literaturhaus in der Fasanenstraße gelesen. Aus diesem Anlaß, bei dem
ich den Bücherstand von Kiepert betreut habe, bin ich auf ihn aufmerksam geworden und habe im Vorfeld
unter anderem den "Hodder" gelesen, über den ich mit Bjarne Reuter im Anschluß an seine Lesung gesprochen
habe. Ein sehr nettes, wenn auch kurzes Gespräch schloß sich an, bei dem der Schriftsteller sich mir
als ein ruhiger und sehr umgänglicher Zeitgenosse darstellte.
Und ich möchte diesen letzten Absatz nicht schließen, ohne noch ein letztes Mal auf "Hodder, den
Nachtschwärmer" hingewiesen zu haben: Eine liebevolle Geschichte um einen Jungen, den man schnell ins
Herz schließt und die ich nur wärmstens ans Herz legen kann.
------
Autor: Christian Wüstling