Die Biografie
Erich Maria Remarque, eigentlich E. Paul Remark, wurde 1898 in Osnabrück geboren. Er wuchs in
kleinbürgerlichen, eher ärmlichen Verhältnissen mit seinen beiden Schwestern auf.
Erich Maria Remarque war ein eher stiller, aber sehr aufmerksamer Junge gewesen. Schon früh entwickelte
er ein tiefe Beziehung zur Natur. Nach seiner streng katholischen Ausbildung in Volksschule und
Präparande entfernte er sich aus seiner Umwelt und umgab sich mit anderen Künstlern und las ausgiebig.
Ein jähes Ende fand sein bis dahin ruhiges Leben, als er im Alter von 18 Jahren als Rekrut in Osnabrück
eingezogen wurde. Danach Einsatz in Frankreich, wo er schwer verletzt wurde und dann am Ende des Krieges
aus dem Lazarett entlassen wurde.
Danach folgte für Remarque ein sehr unstetes Leben: Er arbeitete als Lehrer, Buchhalter,
Grabsteinverkäufer, Werbetexter und später als Journalist. Er starb 1970 in Locarno in seiner Wahlheimat
Tessin.
Der Schreibstil
Wie auch bei Ernst Jünger spiegelt sich in Remarques Werken wie in einem Spiegel sein eigenes Leben wider.
Seinen literarischen Durchbruch erlebte Remarque 1929 mit seinem Roman "Im Westen nichts Neues", einem
desillusionierenden Roman über die Schrecken des 2. Weltkrieges.
Dieser Roman sollte für sein Leben sehr prägend werden: Von den Nationalsozialisten abgelehnt, wurden
seine Werke 1933 verbrannt ("Im Westen nichts Neues" wurde dabei zum Hauptgegenstand der Kritik), weshalb
er aus Deutschland floh.
Nach dem 2. Weltkrieg dann aber wurde sein Buch, für das er nur schwer einen Verleger gefunden hatte,
zu einem riesigen internationalen Erfolg, von dem er im weiteren Lebensverlauf gut leben konnte.
Nach dem 2. Weltkrieg folgten noch einige weitere Werke des Autors, der sich mit seinem ersten großen
Roman sozusagen in die finanzielle Unabhängigkeit geschrieben hat und die sein unstetes Leben wiedergeben.
Seine Bücher geben stets "den kleinen Mann von der Straße" wieder, zeigen die eigene, kleine Welt der
Protagonisten und deren Annährung an andere Menschen vor dem Hintergrund großer historischer Ereignisse
(Krieg, Wirtschaftskrise).
Die Werke
Im Westen nichts Neues, 1929
Das Standardwerk von Remarque. Man muß es einfach mal gelesen haben, auch wenn es meiner Meinung nach
nicht sein ganzes schriftstellerisches Können widerspiegelt. Es spielt während des 1. Weltkriegs und
repräsentiert Remarques (frühen) Versuch, sich mit dem Thema Krieg auseinanderzusetzten.
Arc de Triomphe, 1946
Remarques zweiter großer Erfolg; er spielt im 2. Weltkrieg und zeigt die Situation eines deutschen Arztes,
der nach Paris emigriert und dort ein Schattenleben zwischen dem Untergrund, dem er nicht aktiv angehört,
und einem Arbeitsalltag, dem er nur im Versteckten nachgehen kann, lebt. Sehr gute Millieustudie aus dem
Paris zur Zeit des Krieges!
Der Funke Leben, 1952
Ein weiterer Komplex, den Remarque hier literarisch aufzuarbeiten versucht: Der Holokaust. Geschildert
aus der Sicht von 509, einem KZ-Insassen, der die letzten Tage vor der Befreiung durch die Alliierten
erlebt. Mich hat es sehr erschüttert, ist es doch auf das Individuum bezogen geschrieben und erspart
dem Leser die großen und bekannten Zahlenspiele um die Opfer der Nazi-Herrschaft.
Der schwarze Obelisk, 1956
Ein wesentlich weniger bitterer Blick zurück - Die Geschichte einer Generation zwischen den beiden
Weltkriegen. Es ist das Leben des "kleinen Mannes", daß Remarque hier aufzeigt; ein Leben zwischen
Heimkehr zum Leben vor dem Krieg und Aufbruch in eine neue Zeit.
Der Feind, posthum 1998
Eine Sammlung von Erzählungen, die sich mit dem Bild des Feindes im Krieg beschäftigen. Remarque hat sie
direkt nach "Im Westen nichts Neues" geschrieben und beschäftigt sich mit einer Generation von Menschen,
die den Krieg überlebt haben und nun im Leben wieder Fuß zu fassen versuchen. In meinem ersten Referat
zu Remarque habe ich eine davon dem Leistungskurs Deutsch vorgetragen.
Liebe Deinen Nächsten
Sein vielleicht bestes Werk, daß mir besonders am Herzen liegt. Remarque schreibt wieder über die Zeit
des 2. Weltkriegs und beleuchtet das Leben der Emigranten, jener vertriebenen Menschen, die, kaum daß sie
Fuß gefasst haben, wieder aufgescheucht werden, selten Ruhe finden und doch aus ihrer Situation das Beste
zu machen wissen.
Adnoten
In einem Referat in der Schule vor dem Leistungskurs Deutsch ist mir von der Lehrerin, deren Name an
dieser Stelle nicht genannt werden soll, vorgeworfen worden, ich würde Remarque, der ja auch nur ein
Unterhaltungsschriftsteller sei, zu sehr "hochstilisieren".
Nach meiner Ausbildung würde ich ihr heute recht geben. Sicherlich ist Remarque ein
Unterhaltungsschriftsteller. Aber er unterscheidet sich doch stark von der Trivialliteratur, wenn er
seinen eigenen Stil durch die Jahre hindurch bewahrt und mit seinen Beobachtungen und seiner
Menschenkenntnis allgemeingültige Charakterskizzen entwirft. Ihn als einen Klassiker zu bezeichnen,
wäre übertrieben. Aber er ist und bleibt für mich eine hochstilisierenswerte Person;-)
Es sei an dieser Stelle noch besonders auf die Erzählungen in "Der Feind" hingewiesen. Besonders
lohnenswert ist auch das Buch "Liebe deinen Nächsten", während ich vor "Im Westen nichts Neues" an dieser
Stelle warnen möchte. Es gehört zwar zu seinen (für ihn) bedeutendsten, nicht aber zu seinen besten Werken.
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Autor: Christian Wüstling